studio ASYNCHROME

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studio ASYNCHROME  

Autopropaganda oder Kapital ist ein schlechter Vermittler / or Capital is a bad Mediator

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Eröffnung / Opening: Freitag, 21.09.2018, 18:00 Uhr, Dauer bis Samstag, 13.10.2018
Finissage und Katalogpräsentation / Catalogue presentation: Samstag, 13.10.2018, 12:00 Uhr

Öffnungszeiten: Di–Fr 16:00–19:00, Sa 11:00–15:00, Eintritt frei
Kuratiert von Arnold Reinisch, Jani W. Schwob, Wenzel Mraček mit studio ASYNCHROME

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Ihre Arbeitsweise bezeichnen studio ASYNCHROME – Marleen Leitner und Michael Schitnig - als „transdisziplinäres Experiment“. Durchwegs gehen ihren künstlerischen Formulierungen ausführliche Recherchen zu gesellschaftsrelevanten Themenkomplexen voraus, die meist in einem Genremix aus Fotografie, Zeichnung, Malerei, Installation und Animation umgesetzt werden. Angestrebt wird dabei jeweils eine multiperspektivische Rezeption von Inhalten, die nach einer von den Künstlern getroffenen Auswahl von Bild- und Text-Samples ermöglicht wird.

In einem mehrschichtigen und transparenten Dispositiv errichtet studio ASYNCHROME in der Kunsthalle Graz ein Verweissystem, das von gegenwärtigen neoliberalen Gesellschaften handelt beziehungsweise von Individuen in Gesellschaften, die an einem neoliberalen System Teil haben – als steuernde Kräfte zum einen, zum anderen als Kapital in mehrfacher Hinsicht. Nur ein Aspekt vieler in solchem Zusammenhang relevanter Tatsachen ist, dass heute weltweit mehr Gewinn aus Datenmengen lukriert wird als aus den Geschäften mit Erdöl. Begreift man in diesem Sinn Datenmengen mit Informationspotential als Betriebskapital, schließt daraus studio ASYNCHROME, dass Kapital ein denkbar „schlechter Vermittler“ ist. 
Datenmengen und Datenflüsse, die durch das WWW bereitgestellt und verfügbar gemacht werden, erweisen sich hinsichtlich Informationsgehalt und Interpretation als ambivalent. Informationscluster, Soziale Medien, Trollfactories oder Bots und das Akkumulieren von Daten durch Algorithmen ermöglichen die Manipulation von Meinungen respektive werden Konstellationen von Wirklichkeiten generiert, die sich mehrheitlich gegenüber alternativen Wirklichkeiten behaupten können. Die Sicht auf die Welt und ihre Ereignisse kann gesteuert werden.

Gerade diesem Phänomen folgt studio ASYNCHROME, indem Leitner und Schitnig eine subjektive Auswahl teils ikonischer Bilder und Ereignisse aus Geschichte und Gegenwart – die mutmaßlich miteinander in Verbindung gebracht werden können – in einer räumlichen Konstellation versammeln. Damit ist jedenfalls keinerlei Behauptung getroffen, vielmehr sind seitens der BetrachterInnen viele individuelle Erzählungen denkbar. Auch räumlich ist der eine Standpunkt eliminiert, von dem aus der totale Blick auf die Anordnung gegeben wäre.
Wie im wirklichen Leben gilt es, aus den überlagerten vielen, sich selbst das „wahre“ Bild zu machen.

Wenzel Mracek