Berlin → Graz ( via Stockholm )

BERLIN > GRAZ (via Stockholm)
Die Vorgeschichte einer Zusammenarbeit:
April  2016 | HILBERTRAUM > < KUNSTHALLE GRAZ | Artfair Supermarket Stockholm
November  2017 | GRAZ → BERLIN | Hilbertraum Berlin

Die Betreiber des Hilbertraums Berlin und der Kunsthalle Graz trafen sich in Stockholm 2016 bei der Artfair Supermarket.  Die kompatiblen Interessen für einen regelmäßigen KünstlerInnenaustausch wurden bereits im November 2017 in Berlin verwirklicht. Im Juli 2018 kommt es in der Kunsthalle Graz zur weiterführenden Gruppenausstellung von sechs KünstlerInnen. 

Ausstellungseröffnung: Freitag, 06. Juli 2018,18:30 Uhr, Dauer bis 20. Juli


KünstlerInnen:
Berlin: Feriel Bendjama, Kuno Ebert,  Tobias Sternberg  
Graz:  Alexandra Gschiel, Jani W. Schwob, Josef Wurm

Kuno Ebert | Die Wirklichkeit des Wachsens
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Wachstumsprozesse vollziehen sich so langsam, dass sie für das Bewusstsein des Menschen erst in ihrem Resultat wahrnehmbar sind. Der Umgang mit dem Werkstoff Porzellan zwingt den Künstler zu ebenso geduldiger Arbeit.


Feriel Bendjama | We, they and I
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Feriel Bendjama möchte in ihrer Arbeit „We, they and I“ die vorherrschende mediale Darstellung einer Kopftuch tragenden Frau islamischen Glaubens hinterfragen. Sie möchte diverse Sichtweisen auf das islamische Kopftuch aufzeigen und somit den Betrachter, Multiplikatoren und Meinungstransmitter anregen, eigene Vorstellungsbilder zu reflektieren.


Tobias SternbergPapi’s Pistole
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Imagine the young boy who, curious as he is, going through his Granddad’s drawers finds an old pistol from the great war. What would it feel like to him, its weight, its size? Would he play with it or just carefully put it back where he found it, pretending he never found it? Would it then sneak its way back into his games, into the drawings he makes or the toys he builds himself? The stories passed down by the generations are different in every family. In some, the stories about war are retold as heroic epics, in others they are silently passed over.
Papi’s Pistole is a series of sculptures which I tried to shape as if made by a child. They are based on pistols used by both sides in the two great wars, made from cast tin and carved and polished walnut. I made them all about 50% larger than their originals, so that the feel of the size and weight we as adults get holding them in our hands, is more like that a young boy would have. The metal parts were first individually modelled in wax, and on purpose I left the mark of the hand on the sculptures. As a small boy, I made a lot of small plasticine and clay figures, and even though I was very young, I always tried my best to replicate the “real” things I had seen in books or magazines. The frustration was of course that I never managed very well, and despite the eulogies of grown ups, I knew myself I was far from the perfection I had wanted to achieve. Now, as an adult, I am reverting to this imperfection, this rather sensual hand-made texture, to inscribe the pistols with the narrative of a weapon being imagined and reinterpreted as a toy by a young boy.


Alexandra Gschiel | Dame und Kleid
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Die Bekleidung ist immer wieder ein Thema gesellschaftlicher Diskussionen im Zusammenhang mit einengenden sozialen Rollen, die Frauen von der (männlichen) Gesellschaft zugeschrieben werden und um die Auflehnung dagegen. 
In ihrer Videoperformance thematisiert Alexandra Gschiel diese vielschichtigen Bedeutungen weiblicher Beleidung durch unzählige Hauspatschen, die zu einem Kleid zusammengenäht sind. Diese Filzpatschen stehen hier symbolisch für jenen privaten  Bereich, in dem die Hausfrau angeblich mit Kochlöffel und Putzfetzen über ihr Reich herrscht und sogar der Mann unter ihrem Pantoffel steht. 


Jani W. Schwob | The Last Fast
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In der Geschichte der Kunst wird das Motiv des letzten Abendmahls bis heute immer wieder aufgenommen, interpretiert und paraphrasiert beziehungsweise ironisiert und profaniert. Als Stiftungsereignis des sogenannten „neuen Bundes“ ist das Abendmahl ein ikonologisches Motiv mit Ewigkeitscharakter, wobei man – nach kirchengeschichtlicher Darstellung – von einem historischen Initialereignis ausgeht, das sich als Eucharistie in aller Zeit wiederholt. Solchen Überlegungen folgend wird Jani Schwobs The Last Fast zu einer Adaptierung des Motivs unter ironischer Berücksichtigung gegenwärtiger Umstände: Der Einladung folgen beispielsweise nur sechs der zwölf Jünger, die inzwischen auch ihre biblischen Namen in Fisch, Automobil, Kuh, Kaufen, Majestät und Zeit geändert haben, während der Gastgeber – als Erster und Letzter respektive First in, last out – im Alpha und Omega verharrt. Der rezenten Hintergrunderzählung folgend, muss angenommen werden, die ausbleibenden Jünger hätten sich hinsichtlich dringenderer Termine etwa per SMS entschuldigt.     Wenzel Mraček
 


Josef Wurm | Arbeiten, Leinwand auf Acryl
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Bis vor etwa drei Jahren, erzählt Wurm, habe er seine Bilder noch über Skizzen und Vorzeichnungen auf der Leinwand angelegt. Diese Methode gab er inzwischen auf und nun könnte man das Verfahren im schrittweisen Prozess als malerisches Suchen auf der Leinwand beschreiben. Es ist ein vielschichtiges im Wortsinn; unter den finalen liegen etliche Schichten und Bilder, die zum Teil noch in Digitalfotos festgehalten bleiben. Diese sind eigentlich nicht mehr zu sehen. Sein Eindruck allerdings ist, die übermalten Details „schwingen gewissermaßen noch durch". So wird seine Malerei durch die Überlagerung mehrerer deckender Farbschichten „fast zur Skulptur". Etliche Anklänge an Francis Bacon sind insofern nachvollziehbar, als „die Dinge, von denen man fasziniert ist, bewusst und unterbewusst" in Komposition und Technik während des Malens wieder zu Tag treten.